Offroadtour Rumänien 2011

Rumänien? Da willst du hin? Das ist doch viel zu gefährlich! Mit dem Auto? Das wird dir bestimmt geklaut! Was willst du denn da? „Ich mache da Urlaub“! „WAS?“

So oder so ähnlich waren die ersten Reaktionen einiger Menschen mit denen ich über mein Reiseziel gesprochen habe. Zugegeben, Strandurlaub war in der Tat nicht geplant. Es sollte mit anderen „Abenteuerwilligen“ in den rumänischen Teil der Karpaten auf eine Offroadtour gehen. Der Norden von Rumänien war dabei der Schwerpunkt unserer groben Planung. Grob deshalb, weil die Karten und Informationen, die wir über diese Gegend hatten, nicht wirklich eine gesicherte Planungsgrundlage für Touren abseits der normalen Straßen bot. Mario hatte sich in vielen Stunden mit Informationen und Routenplanung beschäftigt. Immer in der Ungewissheit, dass die Linien auf den Karten denn auch wirklich noch als Weg oder befahrbarer Trail existieren. Um es vorweg zu sagen, grandiose Planung und absolut klasse Touren hat Mario da zusammengestellt. Wir hatten zu keiner Zeit einen einheimischen Führer (den man vor Ort gegen Bezahlung bekommen kann) vermisst. Ende September ging es dann los. 4 Fahrzeuge mit offroadtauglicher Ausstattung und 6 Abenteuerwillige machten sich Ende September auf den Weg nach Rumänien.

Rastplatz in Ungarn

Nach gut 2 Tagen Anfahrt über Österreich und Ungarn, ging es am ersten Tag in Rumänien nördlich von Baia Mare gleich runter von den „normalen Straßen. Wir wollten eigentlich nur einen schönen Übernachtungsplatz suchen. Wildcampen war im Übrigen die vorrangig geplante Art der Übernachtung. Die ersten Kilometer abseits befestigter Straßen brachten uns dann auch gleich zur ersten kniffeligen Stelle.

Erste kleine "Hürde"

Da es relativ schnell dunkel wurde, und wir nicht ohne Tageslicht die anderen 2 noch verbliebenen Fahrzeuge durch die Passage bringen wollten, sind wir dann doch ein paar hundert Meter zurück gefahren und haben auf einer Lichtung übernachtet. Unsere erste Nacht in Rumänien, mit Lagerfeuer und ausreichender Müdigkeit in den Gliedern stand uns bevor.

Dutch Oven mit Petromax

Am nächsten Morgen haben wir dann erst einmal gemeinsam gefrühstückt und sind dann die tags zuvor in der Dämmerung etwas kniffelige Stelle erneut angegangen. Mit Schwung und ausgeschlafenen Sinnen war es dann auch kein Problem, alle vier Autos dadurch zu bekommen. Allerding sollte das auch nicht die letzte herausfordernde Stelle an diesem Tag sein. Alex hat den ersten Tag in einem Video zusammengefasst. Vielmehr muss man dazu nicht schreiben. Viel Spaß beim Gucken.

Mit einem Festmahl aus dem Dutch-Oven und einem Lagerfeuer beendeten wir unseren ersten Tag  in den Karpaten und verbrachten unsere zweite Nacht auf einer fantastischen Hochebene.

Marlboro-Feeling ohne Kippen

Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück sind wir zu einer in der Nähe liegenden Funkanlage gefahren. Die Anlage wirkte alt, verlassen und dennoch sehr interessant. Die Farben der Landschaft und des Himmels bildeten einen tollen Kontrast für Fotos der Umgebung und der Anlage.

Verlassen und dennoch Imposant

Langsam ging es abwärts Richtung Tal. Über Schotterpisten und Wege die durch Ochsenkarren ausgefahren waren, näherten wir uns wieder einer befestigten Straße, die in Richtung Sighetu und Marmatiei führte. Vorbei an Industrieruinen und über Dorfstraßen ging es gleich nach wenigen Kilometern wieder runter von der Straße auf unbefestigte  Wege. Die dritte Nacht stand an und wie schon an den Abenden davor gab es Lagerfeuer und lecker Essen aus dem Dutch Oven an einem ruhigen und tollen Lagerplatz abseits der Dörfer.

mhh. Lecker...

Am nächsten Morgen begegneten uns wie in den letzten Tagen auch Einheimische, die ihrem Tagewerk, (zu dieser Jahreszeit meist Feldarbeit) nachgingen. Durch freundliches Winken oder Nicken mit dem Kopf sagte man sich guten Morgen und ging seines Weges. Auch in den folgenden Tagen begegneten uns die Menschen mit Freundlichkeit und viel Gelassenheit.

Ochsenkarren

Nach einigen Kilometern über trockene und ausgefahrene Pisten bogen wir wieder auf eine befestigte Straße, um in das nächste Dorf zu gelangen. Unsere Wasservorräte gingen zu Neige und wir wollten einer der häufig an den Dorfstraßen zu findenden öffentlichen Zapfstellen eine Besuch abstatten. An einer Zapfstelle angekommen, fuhren wir unsere Autos an den Straßenrand und begannen die Kanister zu füllen. Als ein großer mit Steinen beladener LKW die Straße rauf kam, mussten wir unsere Autos  weiter auf den unbefestigten Wegrand rangieren um dem LKW Platz zu machen. Dabei bin ich allerdings zu weit gefahren und habe das Auto mit der linken Seite komplett in einen Abwassergraben gesetzt. Beim Versuch aus dem Graben wieder raus zu fahren, haben ich den extrem weichen Untergrund allerdings nur umgegraben und die schön geformte Rinne zu einem matschigen Etwas verunstaltet. Peinlich , peinlich. Natürlich wollte ich den Graben so nicht zurück lassen. Also haben wir mit vereinten Kräften und Klappspaten angefangen den Graben auf gut 10 Meter wieder herzustellen. Als klar war, dass das mit Klappspaten alleine nix wird, haben die inzwischen zahlreichen Zuschauer geeignetes Werkzeug in Form von Hacken und Schüppen herbei geschafft und uns damit zu mindestens mit ordentlichem Werkzeug versorgt. Als wir dann fertig waren, wurde die Baustelle noch durch den örtlichen Polizisten begutachtet und frei gegeben. Auch in dieser Situation waren alle Einheimischen freundlich und hilfsbereit. Am Abend haben wir uns ausgemalt wie die Sache wohl in einem Oberbayrischen Dorf ausgegangen wäre….

Dumm gelaufen

Der Tag war aber noch nicht zu Ende und eine der wenigen Reparaturen an den Fahrzeugen stand noch an. Marios Auto benötigte eine neue Batterie. Aber auch das war keine wirkliche Herausforderung. Nach dem wir unser Problem in einem kleinem Lebensmittelgeschäft geschildert hatten, wurden wir gleich die Straße zum nächsten  Wohnhaus geschickt. Der telefonisch informierte und auf einem Fahrrad heraneilende Besitzer verschwand dann in sein „Reich“ und brachte nach kurzer Zeit die passende Autobatterie mit. Der hinter einem Holz-Garagentor liegende Laden entpuppte sich als 1A Ersatzteilshop mit allen gängigen Teilen. Während wir die Batterie einbauten, wurden unsere mitreisenden Frauen von der Hausherrin „entführt“ und kehrten kurze Zeit später mit Weintrauben aus dem hauseigenen Garten zu uns zurück.

Kleine Reparatur am Starßenrand

Weiter ging es der nächsten Stadt entgegen. Unsere Lebensmittel gingen langsam zu Neige. Also steuerten wir einen Supermarkt an und hatten erneut ein „Aha-Erlebnis“. Sowohl Auswahl wie auch Qualität und Preis waren hervorragend. Okay, die Parkplatzordnung war anders als gewohnt, aber durchaus nachvollziehbar… J

Da gehen eine Menge Einkäufe rein

Andere Länder, andere Verkehrszeichen

Es war Nachmittag geworden und wie jeden Abend wollten wir auch heute wieder außerhalb der Siedlungen in der Natur übernachten. Wir fuhren runter von der Straße und folgten einem unbefestigten Weg mit mittlerweile gewohnten aber immer noch spannenden „Engstellen“.

Einweiser auf glitschigem Untergrund

Schmale Stelle an einem Abbruch

Nach einigen Kilometern in der hügeligen Landschaft kamen wir kurz vor Sonnenuntergang auf einer schönen Obstwiese an und schlugen unser Nachtquartier auf. An diesem Abend blieb der Dutch Oven ausnahmsweise kalt. Wir hatten uns im Supermarkt mit Grillfleisch, Salat und Brot ausgestattet und konnten so auf dem mitgebrachten Grillrost und einem improvisierten Grill unser Abendbrot zubereiten. In der Nähe unseres Camps gab es ein Bauernhaus. Als wir am Abend in der Dunkelheit vor unserem Grill saßen und unser Essen genossen, tauchte aus der Dunkelheit ein Mann auf, der dort wohl sein zu Hause hatte. Vorbereitet auf spontane Gäste (wir hatten ziemlich viel eingekauft) haben wir den Bauern zum Essen eingeladen und uns mit Händen und Füßen unterhalten. Scheinbar hatten wir seinen Obstgarten als Nachtquartier gewählt und er wollte einfach nur seine „Gäste“ begrüßen. Der (oder besser Die) Ein oder Andere hätte in der folgenden Nacht bestimmt auch gut geschlafen, wenn der Bauer nicht von einem gewissen „Ursus“ gesprochen hätte. Denn Ursus bedeute Bär und in der Gegend gab es wohl den ein oder anderen Braunbären.

Wunderbare Lagerplatz

Am folgenden Morgen sind wir der eingeschlagenen Route vom Vortag weiter in die Berge gefolgt. Doch leider mussten wir nach wenigen Kilometern umkehren, da der Weg nach Auskunft einer Bäuerin durch einen Erdrutsch unpassierbar geworden ist. Also haben wir den Rückweg in Richtung Dorf angetreten und sind der befestigten Straße erst einmal Richtung Osten weiter gefolgt. Dank der guten Ausarbeitungen von Mario, ließ die nächste Gelegenheit wieder nördlich in die Karpaten einzutauchen nicht lange auf sich warten. Vorwiegen über Pfade die auf den weitläufigen Wiesen nur sehr spärlich zu erkennen waren ging es wieder hoch in die Berge.

Hoch das Bein...

Typische Heukegel zu dieser Jahreszeit

Belohnt wurden wir mit einem fantastischen Ausblick bei erneutem Kaiserwetter.

Wie gemalt!

Langsam fuhren wir wieder in das nächste Tal und sahen dem Ende des Tages schnell entgegen. An diesem Abend übernachteten wir erneut auf einer Lichtung im Wald und unsere Verpflegung kam wie so oft auf dieser Tour wieder aus dem Dutch Oven.

<Wieder einmal richtig lecker

Am Morgen ging es weiter Richtung Norden. Wir waren auf einem Forstweg unterwegs. Es begegneten uns immer wieder LKWs mit Holz als Ladung. Der teilweise sehr in Mitleidenschaft gezogene Weg waren recht anspruchsvoll zu befahren..

Zum Glück hat es nicht geregnet

Allerding war dann doch irgendwann Schluss und wir entschieden uns für den Rückzug. Zunächst  ging es über befestigte Straßen Richtung Süd-Osten, um nach einigen Kilometern wieder abzubiegen und einem Pfad, der über weite Wiesen in eine hügelige Landschaft führte, zu folgen.

Wege waren nicht immer klar zu erkennen

Der Ausblick wurde mit jedem Höhenmeter schöner und weiter. Die Herbstfarben und der Himmel waren fast wie für uns bestellt.

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Wo es hinauf geht, geht es auch irgendwann wieder runter. Und so fuhren wir dem nächsten Tal und dem nächsten Abend entgegen. Nachdem wir unsere Wasservorräte bei einem Baustoffhändler aufgefüllt hatten sind wir in Richtung der Berge weiter gezogen. Diesmal übernachteten wir auf über 1600m Höhe auf einem abgelegenen Plateau. Die abendliche Kälte wurde mit einem Lagerfeuer vertrieben und der Abendhimmel verabschiedete sich mit einem roten Streifen

Abendglühen

Der nächste Morgen war der Erste auf unserer Reise, der ohne Sonne mit Nieselregen begann. Nach einem kurzen Frühstück sind wir dem Weg weiter Richtung Norden gefolgt.

Auf 1600m in den Wolken

Es ging Richtung ukrainischer Grenze. Der Weg folgte dem Bergrücken und es ging auf und ab. Zwischendurch begegneten uns immer wieder Pilzsammler, die hier oben scheinbar für eine begrenzte Zeit lebten und ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln der vielfach vorhandenen Pilze verdienten.

Stolzer Pilzsammler. Zurecht!

Laut unserer Karte war der Weg eine Sackgasse. Da diese aber sehr nah bei einem Dorf liegen sollte, versuchten wir unser Glück und fuhren immer weiten in den Norden. Aber die Karte hatte wieder Recht. Es gab nur eine altersschwache Eisenbahnstrecke auf der das Holz aus diesem Gebiet heraus transportiert wurde. Die Lok war ein umgebauter LKW der scheinbar in der Lage war die baufällige Eisenbahnstrecke zu bewerkstelligen.

Alt, aber läuft

Wir kehrten um und nahmen einen anderen Abzweig hinunter ins Tal Richtung Borsa. Dabei fuhren wir vorbei an alten Industrieruinen die noch aus der Zeit der Erzgewinnung stammten. Die Tristesse und der graue Alltag der Menschen aus dieser Zeit, ließen sich leicht erahnen.

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Wir fuhren Richtung Borsa, unserem angepeilten Übernachtungsplatz für diesen Abend. Diesmal war es ein Campingplatz den wir ausgewählt hatten. Die erste warme Dusche seit Tagen und das erste nicht selbst zubereitete Essen.

Camping im Garten

Das war für mich dann leider auch die letzte Nacht in Rumänien. Ich musste aufgrund fehlenden Urlaubsbudgets die Gruppe an diesem Tag verlassen. Die 2 Tage Rückreise habe ich alleine angetreten und die Zeit genutzt das Erlebte Revue passieren zu lassen.

Wow! Ein tolles Land mit einer atemberaubenden Landschaft, in dem ich nur freundlichen und hilfsbereiten Menschen begegnet bin.

Einige im Bericht gezeigte Bilder wurden mir von Alex und Marion freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Ein paar meiner Bilder könnt ihr hier in einem Youtube-Video sehen. Viel Spaß.

3 Kommentare zu Offroadtour Rumänien 2011

  1. Alex sagt:

    Danke für den Tourbericht. Ich sollte auch endlich mal los legen. Dass das auch schon wieder so lange her ist. Die Zeit verfliegt und es wir wieder Zeit für eine Tour 😉
    Auf jeden Fall ist es schön wieder an die Tour erinnert zu werden.

  2. Simone sagt:

    Ehem. Was Ina EIGENTLICH sagen wollte ist, dass sie nächstes mal mit dem Berlingo mitfahren will!

    ICH……………….öhm…..ich kann dann aber leider nicht. Der Audi ist dann inna Inspektion, glaube ich.

    Ne, im Ernst. Ein super schöner Bericht mit tollen Fotos!

  3. Ina sagt:

    Wieder ein für meinen Eindruck gelungener Reisebericht.
    Das Lesen der Texte und betrachten der Bilder, lässt einen mit in die Reise eintauchen. Beim anschauen der Videos, fiebert man mit, die Autos geschickt über die jeweilige Strecke zu steuern.
    Sehr, sehr schön.

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